Festival

QUEERTACTICS. QUEER_FEMINISTISCHES FILMFESTIVAL WIEN

Queertactics: Make me up

Make Me Up, Rachel Maclean, GB 2018

Bis 2017 fand in Wien alle zwei Jahre „Identities – Queer Film Festival Vienna“ statt. 1996 gegründet war es mehr als zwei Jahrzehnte DAS queere Filmevent in Österreich, seit seinen Anfängen von Barbara Reumüller professionell organisiert und sowohl international als auch in Österreich weitreichend vernetzt und geschätzt. Als 2018 bekannt wurde, dass „Identities“ nicht mehr stattfinden würde, beantragte Gabi Frimberger, damals Leiterin der FrauenFilmTage Wien, kurz entschlossen Gelder für eine queere Filmreihe und lud Dagmar Fink und Katja Wiederspahn ein, diese gemeinsam mit ihr zu gestalten. Im November 2019 schließlich war es so weit: QUEERTACTICS wurde im Le Studio und im Admiralkino mit großem Erfolg gezeigt. QUEERTACTICS. QUEER_FEMINISTISCHES FILMFESTIVAL WIEN war geboren!

Unter dem Motto „die Welt soll queerer und weiblicher werden“ präsentieren wir einmal im Jahr herausragende aktuelle Produktionen des internationalen queeren Filmschaffens sowie handverlesene historische Arbeiten auf der großen Leinwand. Alle Filme im Programm von QUEERTACTICS sind Österreichpremieren.

Uns sind die ästhetischen Strategien eines Films ebenso wichtig wie seine politischen Implikationen, sofern sich diese beiden Aspekte überhaupt voneinander getrennt benennen oder diskutieren lassen. Weiters ist es uns ein Anliegen, Arbeiten aus dem Kontext queer_feministischer Communities zu zeigen, die für ein queer_feministisches Publikum entstanden, jedoch selten auf großer Leinwand zu sehen sind. Und selbstverständlich ist es für uns zentral, nicht nur west- und mitteleuropäisches sowie US-amerikanisches queeres Kino zu feiern, sondern auch Produktionen des globalen Südens sowie unserer (süd-)osteuropäischen Nachbar:innen prominent auf die Leinwand zu bringen. Kurzum: Es ist uns mit QUEERTACTICS wesentlich darum zu tun, anti- oder jedenfalls nicht-normative emanzipatorische Formen des Kinos zu finden und zu präsentieren – ganz im Sinne eines (Auf-)Zeigens von Herausforderungen von und Alternativen zu Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit.

Mit Verve verfolgen wir schließlich auch die faire Bezahlung aller, die mit ihrer Arbeit auf, vor und hinter der Kinoleinwand einen Beitrag zum Gelingen des Festivals leisten. Die vernünftige finanzielle Ausstattung dieser Veranstaltung wäre also die erste und wichtigste Basis oder auch sine qua non einer queer_feministischen ‚Umwertung’ (oder Neubewertung) der Wertschöpfung. QUEERTACTICS würde hier gerne ein Zeichen setzen, über queer_feministische Ökonomie soll nicht nur diskutiert werden, sie soll Leitfaden von QUEERTACTICS werden: Es geht eben nicht einfach nur um Kinokultur, sondern vielmehr um Lebensrealität und damit um Überlebensbedingungen der Filmemacher:innen, Kinobetreiber:innen sowie Festivalarbeiter:innen. Leider ist die aktuelle budgetäre Situation des Festivals noch ein ganzes Stück davon entfernt, dies zu ermöglichen. Selbstverständlich arbeiten wir unermüdlich daran, dies zu verändern.

Last but not least wünschen wir uns eine rege Auseinandersetzung (gemeinsam) mit ‚unserem‘ Publikum und suchen dementsprechend immer wieder neu und anders nach diskursiven Formaten, die Begegnung, Austausch und Kritik ermöglichen.

 

Wien, 1. Juni 2021